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Dr.
habil. Joachim Fischer
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Philosophische Anthropologie Bei "Philosophischer Anthropologie", die in diesem Vorhaben historisch und systematisch rekonstruiert wird, handelt es sich nicht wie üblich um die "philosophische Anthropologie" als philosophische Subdisziplin, sondern um ein in der deutschsprachigen Philosophie des 20. Jahrhunderts entfaltetes unikates Theorieprogramm. Wenn man sich der kognitiven Ressourcen des philosophisch-anthropologischen Denkens im 20. Jahrhundert vergewissern will, kann es sinnvoll sein, sich zu den 1920er Jahren der deutschen Philosophie zurückzubeugen und dabei zwei philosophische Diskurseignisse zu unterscheiden: 1. Die Herausbildung einer philosophischen Disziplin namens „philosophische Anthropologie“ im weiten Sinn, die in Auseinandersetzung mit anderen Diszplinen der Philosophie (Erkenntnistheorie, Ethik, Metaphysik, Sprachphilosophie etc.) einen zentralen Status innerhalb der Wissenschaften beansprucht (Vgl. die Studien von Bernhard Groethuysen, Michael Landmann, Christian Thies, Gerald Hartung). 2. Der zeitgleiche Durchbruch der „Philosophischen Anthropologie“ im engeren Sinn eines Theorieprogramms zwischen Max Scheler und Helmuth Plessner, das mit anderen Denkansätzen und Paradigmen konkurriert (wie Neukantianismus, Existenzphilosophie, Kritischer Theorie, hermeneutischer Philosophie/Dilthey-Bewegung, Naturalismus, Lebensphilosophie). Das Forschungsprojekt widmet sich der Philosophischen Anthropologie als einem Paradigma, einem charakteristischen Denkansatz, einer Theorierichtung im 20. Jahrhundert. In einem ersten Schritt wird die verwickelte, teils abenteuerliche Geschichte dieser Denkergruppe von 1919 bis 1975, deren Prominenteste Max Scheler, Helmuth Plessner, Arnold Gehlen, Erich Rothacker, Adolf Portmann sind, rekonstruiert. Darin eingeschlossen ist die Wirkungsgeschichte, die dieser Denkansatz in verschiedenen Disziplinen (Philosophie, Soziologie, Psychologie, Biologie etc.) im 20. Jahrhundert ausgeübt hat. Da es sich bei den Hauptprotagonisten um Philosophen und Soziologen handelt (wie bei Horkheimer und Adorno in der Kritschen Theorie), ist am auffälligsten die Ausstrahlungsgeschichte des Paradigmas in der deutschen Soziologie nach 1945 (z.B. bei Helmut Schelsky, Heinrich Popitz, Hans Paul Bahrdt, Dieter Claessens, auch Peter Berger und Thomas Luckmann). Als soziologische Theorie hat die Philosophische Anthropologie eine interdisziplinäre Sozialforschung in verschiedenen Forschungsfeldern inspiriert und initiiert: Arbeits- und Industriesoziologie, Famliensoziologie, Stadtsoziologie, Sportsoziologie, Machtsoziologie, Kunstsoziologie, Religionssoziologie. Ein zweiter Schwerpunkt bildet die Präzisierung des philosophiegeschichtlichen Identitätskerns der Philosophischen Anthropologie. Bei aller Differenz geht es den Autoren um die Wiederherstellung der richtigen Intuition idealistischer Vernunftkritik im Medium der richtigen Entdeckungen lebensphilosophischer Vernunftkritik. In der Schlüsselkategorie "Exzentrische Positionalität" wird der Denkansatz kontrastscharf gegenüber anderen Theorieoptionen wie Idealismus, Neukantianismus, Phänomonologie, hermeneutischer Philosophie, Existenzphilosophie, naturalistischer Theorie (v.a. dem evolutionsbiologischem Paradigma), Lebensphilosophie, Kritische Theorie, sprachanalytischen Ansatz, Strukturalismus, Systemtheorie. In einem dritten Schwerpunkt des Projekts wird die diagnostische Leistungskraft dieses Theorieprogramms an gegenwärtigen Phänomenen erprobt. Aus dem reichen Ensemble der Kategorien der Philosophischen Anthropologie werden produktive Verschränkungen zwischen den Bio-, Sozial- und Kulturwissenschaften angeboten. Philosophische Anthropologie wird dabei als eine originelle Position zwischen dem natural turn des Darwinismus und den cultural turns des Sozialkonstruktivismus verstanden und erneuert. Basal ist dabei der philosophisch-anthropologische Begriff des Organischen, in dem das lebendige "Ding" von der ihm eigenen "Grenze" bzw. Grenzleistung her charakterisiert wird. Publikationen und Veranstaltungen Philosophische Anthropologie. Zur Bildungsgeschichte eines Denkansatzes, Diss. Göttingen 2000. Philosophische
Anthropologie - Eine Denkrichtung des 20. Jahrhunderts,
Freiburg / München 2008. Philosophische
Anthropologie. Zur Rekonstruktion ihrer diagnostischen Kraft,
Exzentrische
Positionalität. Plessners Grundkategorie der Philosophischen Anthropologie, L'approccio più
influente della sociologia tedesca nel secondo dopoguerra, Joachim Fischer / Hans Joas (Hg.), Kunst, Macht und Institution. Studien zur Philosophischen Anthropologie, soziologischen Theorie und Kultursoziologie der Moderne. Festschrift für Karl-Siegbert Rehberg, Frankfurt a. M. 2003. Androiden - Menschen - Primaten.
Philosophische Anthropologie als Platzhalterin des Humanismus, Simmels ‚Exkurs über die Soziologie
der Sinne. Zentraltext einer anthropologischen Soziologie, Leben - das "grenzrealisierende Ding".
Philosophische Anthropologie als Doppelkorrektiv zwischen Genombiologie
und Biomachtdiskurs, Biophilosophie als Kern des Theorieprogramms
der Philosophischen Anthropologie. Zur Kritik des wissenschaftlichen Radikalismus,
Website "Philosophische
Anthropologie" (Einführung, Literatur, Links) Eine Veranstaltung der Helmuth-Plessner-Gesellschaft und Max-Scheler-Gesellschaft in Kooperation mit der Philosophischen Fakultät der TU Dresden, Institut für Soziologie, konz. u. org. zus. mit Ralf Becker, Christian Bermes, Matthias Schloßberger, 30. Mai/2. Juni 2007 an der TU Dresden La biofilosofica com nucleo de programma teorico dell'antropologia filosofica (trad. Agostino Cera), in: Nicola Russo (a cura), L'uomo e le machine. Per un'antropologia della tecnica, Napoli 2007, S. 165-196. Philosophische Anthropologie - Themen und Positionen Reihe, hg. v. Joachim Fischer (Dresden) / Ada Neschke (Lausanne) / Gérard Raulet (Paris) / Hans-Rainer Sepp (Prag/Freiburg) Editionsbeirat: Heike Delitz (Dresden) / Francesco Gregorio (Lausanne) / Cathrin Nielsen (Freiburg) / Guillaume Plas (Paris) Nordhausen: Verlag T. Bautz 2008. Philosophische Anthropologie, in: Georg Kneer / Markus Schroer (Hg.), Handbuch Soziologische Theorien, Wiesbaden 2009, S. 323-344. Philosophische Anthropologie im evolutionsbiologischen Zeitalter. Bemerkungen zu einer Theoriestrategie, in: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz / Susann Gottlöber / René Kauffmann / Hans Rainer Sepp (Hg.): Europäische Menschenbilder, Dresden 2009, S. 37-54. Exploring the Core Identity of Philosophical Anthropology through the Works of Max Scheler, Helmuth Plessner and in: Iris. European Journal of Philosophy and Public Debate, Florence University Press, Florence-Italy, Volume I (2009), S. 153-170. Podium: Discussione del libro di J. Fischer: Philosophische Anthropologie. Eine Denkrichtung des 20.Jahrhunderts, Antropologia filosofica: origini, sviluppi e prospettive. Philosophische Anthropologie: Ursprünge, Entwicklungen, Perspektiven Bressanone-Brixen, 12.12.2009 Tanzendes Tier oder Exzentrische Positionalität - Zur Theoriestrategie der Philosophischen Anthropologie zwischen Darwinismus und Kulturalismus, in: Der Mensch - Evolution, Natur und Kultur, hg. v. Jochen Oehler, Heidelberg/Berlin Oktober 2010 (im Druck). |