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Joachim Fischer
 
 
             








Architektursoziologie, Soziologie des Raumes, Stadtsoziologie

Mit dem Potsdamer-Platz-Forschungsprojekt (in mehreren Stufen 2001 bis 2004 zusammen mit Michael Makropoulos) wurde die neuere an der Soziologie des Raumes orientierte soziologische Diagnostik mit entfaltet. Dabei wird die Fragestellung einer Soziologie des Raumes von Beginn an (wegen der Omnipräsenz des Gebauten) architektursoziologisch konkretisiert und in Richtung Stadtsoziologie präzisiert; und um jeder vorzeitigen Fesselung an eine Theorierichtung zu entgehen, werden von Beginn an verschiedene soziologische Paradigmen (von Rational-Choice-Theorie bis Diskursanalytik, von der Strukturierungstheorie bis zur Systemtheorie, von der Kritischen Theorie bis zu den Gender Studies) aufgefordert bzw. genötigt, aus je ihrer Perspektive die "gebaute Gesellschaft" (Delitz) als Instrument der Gesellschaftsanalytik einzusetzen. Diese wissenschaftstheoretische Strategie bildet vermutlich die Voraussetzung, um die Raumdimension überhaupt ins Zentrum der Allgemeinen Soziologie gelangen zu lassen – nur über den Umweg der Mitnahme verschiedener sozial- und kulturwissenschaftlicher Theorien. In Fallstudien zum Potsdamer Platz und zum Ensemble der Prager Straße in Dresden in ihrer Ungleichheits- und Herrschaftsstruktur wurde dieser Forschungsansatz konkretisiert.

Dieser Arbeits- und Forschungsschwerpunkt wird zusammen mit Bernhard Schäfers, Herbert Schubert und der Architektin und Soziologin Heike Delitz seit 2005 durch die Gründung des DGS-Arbeitskreises ‚Architektursoziologie’ vorangetrieben – eines Arbeitskreises, der bewusst als Kooperation der Sektion Stadt- und Regionalsoziologie mit der Sektion Kultursoziologie eingerichtet wurde. In mehreren Tagungs- und Publikationsprojekten ist diese Forschungslinie von der TU Dresden aus in der Fachwissenschaft (Vgl. Die Architektur der Gesellschaft. Theorien für die Architektursoziologie (2009)) und auch für die allgemeine politische Öffentlichkeit präsent gemacht worden (Themenheft in ‚Aus Politik und Zeitgeschichte’: Architektur der Gesellschaft (ebenfalls 2009)). Der Arbeitskreis hat unter anderem Workshops zur aktuellen Städtebaudebatte (Universität Bamberg 07/2009) und zur Methodik einer architektursoziologisch präzisierten Raumsoziologie (Universität Leipzig 02/2010) veranstaltet.

Der entscheidende Impuls einer über die Soziologie des Raumes verstandenen Stadtsoziologie in gesellschaftsdiagnostischer Absicht ist: der gebaute Raum ist konstitutiv für jede soziale Raumstrukturierung - Architektur wird als das "schwere Kommunikationsmedium der Gesellschaft" verstanden. Damit kann der gegenwärtig erneut heftige, soziales Engagement bindende Architekturstreit um die gebaute Gesellschaft (der die Soziologen in seiner Intensität zunächst eher irritiert), können die kommunal vielerorts geführten Architekturdebatten als zentral für die Selbststeuerung einer Gesellschaft beobachtet werden, die entlang verschiedenster Differenzierungslinien (Klassen, Generationen, Geschlechter, Ethnien, Regionen, funktionale Teilsysteme) um ihre bauköperliche Präsenz und symbolische Repräsentanz ringt.


Publikationen und Veranstaltungen

Potsdamer Platz. Theoretische Perspektiven zur Kultursoziologie eines Ortes der Moderne.
Jahrestagung DGS-Sektion "Kultursoziologie", Berlin 2002, zus. m. Michael Makropoulos

Der Potsdamer Platz als gesellschaftsdiagnostisches Artefakt, in: Ästhetik und Kommunikation, H. 116, 33. Jg., 2002, S. 84-119.
[Der Artefakt-Raum des Potsdamer Platzes aus den Perspektiven der Systemtheorie (Andreas Ziemann), Philosophischen Anthropologie (Joachim Fischer),     der Kritischen Theorie (Christine Resch / Heinz Steinert), der Cultural Studies (Udo Göttlich / Rainer Winter), der Diskursanalyse und Semiologie (Michael        Makropoulos)].

Joachim Fischer / Michael Makropoulos (Hg.)
Potsdamer Platz. Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne
München: Wilhelm Fink 2004.

Der Potsdamer Platz aus der Perspektive der Philosophischen Anthropologie,
in: Ausdruck und Gebrauch. Dresdner wissenschaftliche Halbjahreshefte für Architektur - Wohnen - Umwelt, hg. v. Achim Hahn, H. 1 (2002), S. 105-118.

Exzentrische Positionalität. Der Potsdamer Platz/Leipziger Platz aus der Perspektive der Philosophischen Anthropologie,
in: Ästhetik und Kommunikation, 33. Jg. (2002) H. 116, S. 87-95.

Prager Straße. Zur utopischen Energie eines sozialistischen Stadtensembles,
Vortrag Kolloquium 'Stadt, Raum, Utopie', 07.- 09. 06. 2002 Dresden-Hellerau

Prager Straße in Dresden. Zur Architektursoziologie eines utopischen Stadtensembles, in: Ausdruck und Gebrauch. Dresdner wissenschaftliche Halbjahreshefte für Architektur Wohnen Umwelt, H.5 (2005), S. 4-14.

Bürgerinitiative zur Erhaltung und Neunutzung des "Rundkinos" auf der Prager Straße in Dresden (seit 2004).
http://www.rundkino-dresden.de/

Die Bedeutung der Philosophischen Anthropologie für die Architektursoziologie,
in: Karl Siegbert Rehberg (Hg.): Soziale Ungleichheit - Kulturelle Unterschiede. Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München 2004, Frankfurt/New York 2006, CD, S. 3417-3429.

Website "Architektursoziologie" (Heike Delitz): www.architektur-soziologie.de

Arbeitsgemeinschaft "Architektursoziologie" in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie; eine Kooperation der Sektionen Kultursoziologie und Stadt-/Regionalsoziologie; seit Oktober 2004 eine Initiative von Bernhard Schäfers, Joachim Fischer, Herbert Schubert, Heike Delitz

Leitsysteme zum Neuen
Wissenschaftliche Beratung der Tagung und Ausstellung zu Stadtvisionen in Dresden, Motorenhalle für zeitgenössische Kunst, August 2005.

Die Architektur der Gesellschaft
Architektur der Moderne im Blick soziologischer Theorien
2. Tagung zur Architektursoziologie
28./29. April 2006 an der TU Dresden

Architektur als räumliche Verkörperung der Gesellschaft,
Ad-hoc-Gruppe auf dem DGS-Kongress Die Natur der Gesellschaft, Kassel 2006.

Joachim Fischer / Heike Delitz (Hg), Stadtvisionen für Dresden - vom Barock bis zur Gegenwart (Dresdner Hefte, hg. v. Dresdner Geschichtsverein (Gesamtredaktion Hans-Peter Lühr), Jg. 25, H. 92, 4/2007.

(zus. m. Heike Delitz): Stadtvisionen. Idee zu einer neuen Stadtanalyse, 
in: Stadtvisionen für Dresden - vom Barock bis zur Gegenwart (Dresdner Hefte), Jg. 25, H. 92, 4/2007, S. 3-4.

La Prager Straße à Dresde. Sociologie architecturale d’un ensemble urbain utopique (trans. Chloe Voisin),
in: La Revue Histoire Urbaine, numéro 24 (2009), S. 69-83.


Joachim Fischer / Heike Delitz (Hg.), Die Architektur der Gesellschaft. Theorien für die Architektursoziologie, Bielefeld 2009
mit Beiträgen von Bernhard Schäfers, Herbert Schubert, Markus Schroer, Martina Löw, Achim Hahn, Markus Dauss/Karl-Siegbert Rehberg, Detlev Schöttker, Heike Delitz, Dirk Baecker, Stefan Meissner, Susanne Frank, Udo Göttlich, Jens S. Dangschat, Joachim Fischer

(zus. m. Heike Delitz): Die 'Architektur der Gesellschaft'. Einführung,
in: Fischer / Delitz (Hg.), Die Architektur der Gesellschaft. Theorien für die Architektursoziologie, Bielefeld 2009, S. 9-17.

Zur Doppelpotenz der Architektursoziologie: Was bringt die Soziologie der Architektur - Was bringt die Architektur der Soziologie?,
in:
(zus. m. Heike Delitz), Die Architektur der Gesellschaft. Theorien für die Architektursoziologie, Bielefeld 2009, S. 385-414.

Architecture as Society’s Heavy Medium of Communication,
Phenomenology, Social Sciences and the Arts. An International Conference, 1.-16.05.2009, University of Konstanz

Themenheft "Architektur der Gesellschaft" 
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 25/2009, Juni 2009
mit Beiträgen von Christian Illies, Joachim Fischer, Heike Delitz, Susanne Frank, Markus Schroer, Jens S. Dangschaft, Harald Bodenschatz

Architektur als 'schweres' Kommunikationsmedium der Gesellschaft,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte (Thema: Architektur der Gesellschaft), 25/2009, S. 7-10.

Architektur als 'schweres Kommunikationsmedium' der Gesellschaft. Zur Grundlegung der Architektursoziologie,
in: Peter Trebsche / Nils Müller-Scheeßel / Sabine Reinhold (Hg.), Der gebaute Raum. Bausteine einer Architektursoziologie vormoderner Gesellschaften, Münster 2010, S. 63-82.


Rekonstruktivismus als soziale Bewegung. Der Fall Berlin,
in: dérive. Zeitschrift für Stadtforschung, H. 38 (2010): Schwerpunkt: Rekonstruktion und Dekonstruktion (Heike Delitz), S. 7-12.

Heike Delitz & Joachim Fischer: Konstruktion, Dekonstruktion, Rekonstruktion der „Berliner Republik“ - Architektursoziologische Überlegungen.

Vortragsreihe mit Seminaren zur "Raumproduktion  in der Berliner Republik", Akademie c/o Temporäre Kunsthalle Berlin, Schloßplatz, 10178 Berlin, 06.07.2010

Heike Delitz & Joachim Fischer: Stadtvisionen - Gesellschaftstatsachen. Zur Idee einer anderen Stadtsoziologie,
in: ARCH+. Zeitschrift für Architektur und Städtebau, 201/202 "Berlin" (2011), S. 32-35.

Rekonstruktivismus als soziale Bewegung,
in: ARCH +. Zeitschrift für Architektur und Städtebau, H. 204 "Krise der Repräsentation", Oktober 2011, S. 76-79.

Rekonstruktivismus als soziale Bewegung. Die revolutionäre Rückkehr der okzidentalen Stadt,
in: geographische revue, Jg. 14, 2012, H. 1, Schwerpunkt: Architektur und Stadt, S. 27-42.

Primat des Lebens vor der Konstruktion - Primat der Architektur vor dem Raum,
Diskussionsbeitrag in: Erwägen - Wissen - Ethik (EWE). Forum für Erwägungskultur, 24 (2013), H.1, S. 28-31.

Gebaute Welt als schweres Kommunikationsmedium der Gesellschaft. Architektur und Religion aus architektursoziologischer Perspektive,
in: Uta Karstein / Thomas Schmidt-Lux (Hg.): Architektur und Artefakte. Zur Materialität des Religiösen, Wiesbaden 2017, S. 49-69