Dr. Joachim Fischer
 
   Kultursoziologie:

 

Thema des Projekts ist die Expressivität und Symbolisierung moderner Gesellschaften. Vorausgesetzt ist, dass menschliche Lebewesen als grenzrealisierende Lebewesen, die von Natur aus "nicht festgestellt" und zugleich "unergründlich" sind, grundsätzlich auf "Kultur" angewiesen sind. Durch Kultur stabilisieren sich diese Lebewesen in ihrer Physis und werden sich zugleich partiell in der sinnlichen Erscheinungsweise durchsichtig. Damit ist Kultur immer durch einen Doppelaspekt bestimmt: durch die "natürliche Künstlichkeit" bzw. Konstruktion einerseits, die als sinnlich-sinnhafte Grenzziehung der Stabilisierung dient, und durch die "vermittelte Unmittelbarkeit" bzw. Expressivität andererseits, in der sich die "unergründlichen" Lebewesen in der sinnlich-sinnhaften Grenzziehung medial zur "Erscheinung", "vermittelt" zum Ausdruck bringen. Besonders geeignet zur Analyse der Kultur sind deshalb Theorien, die a) Kultur als eine Verknüpfung von Sinnlichkeit und Sinn (Ästhesiologie und Semiotik der Kutlur) rekonstruieren und die b) Kultur nicht auf Sprachlichkeit reduzieren. Die Kulturtheorien von Helmuth Plessner, Max Scheler und Ernst Cassirer zeichnen sich dadurch aus, dass sie a) systematisch Leiblichkeit und Sinn aufeinander beziehen und b) deshalb systematisch neben der Sprache weitere Medien der Kultur rekonstruieren können, die in je eigener Logik Konstruktion und Expressivität verschränken (Eigenlogik des Bildes, des Mythos, der Musik, des Tanzes, der Mathematik, der Mystik etc.).

Dieses in immer veränderten gesellschaftlichen Konstellationen je neu einsetzende Ausdrucksgeschehen ist der unerschöpfliche Fokus der Wissens-, Religions-, Kunst- und Architektursoziologie. In der Bildlichkeit begrifflicher Leitformeln einerseits, in der nach kommentierenden Worten verlangenden Bildkunst und Baukunst andererseits setzen sich moderne Gesellschaften je faszinierend, streitend, reflexiv und kontrolliert in Bildbegriffe.

Hg. (zus. m. Hans Joas), Kunst, Macht und Institution. Studien zur Philosophischen Anthropologie, soziologischen Theorie und Kultursoziologie der Moderne. Festschrift für Karl-Siegbert Rehberg, Frankfurt a. M. 2003.

Simmels ‚Exkurs über die Soziologie der Sinne. Zentraltext einer anthropologischen Soziologie,
in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Themenheft: Soziologie der Sinne, 27. Jg., H. 2 2002, S. 6t-13.

The Historic Coincidence of Three Formula of Human Existence: 'The man without qualities' (Musil), the 'relatively unattached intellectual (Mannheim) and the 'eccentric positionality' (Plessner),
in: Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Beijing Normal University Verlag, Bd. 2, 2001 (chines.)

"Mann ohne Eigenschaften", "sozial relativ freischwebender Intellektueller", "exzentrische Positionalität". Musil, Mannheim, Plessner,
in: Ulrich Bröckling, Axel T. Paul, Stefan Kaufmann (Hg.): Vernunft - Entwicklung - Leben. Schlüsselbegriffe der Moderne. Festschrift für Wolfgang Eßbach, München 2004, S. 291-303.

(zus. m. Dana Giesecke): Distinktionskunst und Inklusionskunst. Zur Soziologie der Kunstkommunikation der Bundesrepublik und der DDR, in: Lutz Hieber, Stephan Moebius, Karl-Siegbert Rehberg (Hg.)
Kunst im Kulturkampf. Zur Kritik der deutschen Museumskultur, Bielefeld 2005, S. 86-114.

Der Potsdamer Platz aus der Perspektive der Philosophischen Anthropologie,
in: Ausdruck und Gebrauch. Dresdner wissenschaftliche Halbjahreshefte für Architektur - Wohnen - Umwelt, hg. v. A. Hahn, H.1 2002, S. 105-118.

Exzentrische Positionalität. Der Potsdamer Platz/Leipziger Platz aus der Perspektive der Philosophischen Anthropologie,
in: Ästhetik und Kommunikation, 33. Jg. (2002) H. 116, S. 87-95.

Prager Straße. Zur utopischen Energie eines sozialistischen Stadtensembles,
Vortrag Kolloquium 'Stadt, Raum, Utopie' 7.- 9. Juni 2002 Dresden-Hellerau;
http://www.rundkino-dresden.de/

Prager Straße in Dresden. Zur Architektursoziologie eines utopischen Stadtensembles, in: Ausdruck und Gebrauch, H.5 (2005), S. 4-14.

Zur Bedeutung der Philosophischen Anthropologie für die Architektursoziologie,
Vortrag Ad hoc Gruppe Architektursoziologie (Prof. Dr. Bernhard Schäfers)
32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie München 2./8.10.2004

Die Bedeutung der Philosophischen Anthropologie für die Architektursoziologie,
in: Karl Siegbert Rehberg (Hrsg.): Soziale Ungleichheit - Kulturelle Unterschiede. Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München 2004, Frankfurt/New York 2006, CD, S. 3417-3429.

Website "Architektursoziologie" (Heike Delitz, Stefan Meißner): www.architektur-soziologie.de

Die Architektur der Gesellschaftchitektur der Gesellschaft
Architektur der Moderne im Blick soziologischer Theorien
2. Tagung zur Architektursoziologie
28./29. April 2006 an der TU Dresden

Neue Theorie des Geistes (Scheler, Cassirer, Plessner),
in: R. Becker/Ch. Bermes/H. Leonardy (Hg.), Die Bildung der Gesellschaft. Schelers Sozialphilosophie im Kontext, Würzburg 2006, S. 166-181.

Ästhetische Anthropologie und anthropologische Ästhetik. Plessners 'Kunst der Extreme' im 20. Jahrhundert,
in: J. Früchtl/M. Moog-Grünewald, Ästhetik in metaphysikkritischen Zeiten. 100 Jahre 'Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft'. Sh. 8 der Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, Hamburg 2007, S. 241-267.

Der Ort des Menschen im Kosmos. Zur Philosophie der Weltraumfahrt,
in: der blaue reiter. Journal für Philosophie, 23 (1/2007), S. 54-60.

Gastherausgeber.(zus. m. Heike Delitz), Stadtvisionen für Dresden - vom Barock bis zur Gegenwart (Dresdner Hefte, hrsg. v. Dresdner Geschichtsverein (Gesamtredaktion Hans-Peter Lühr), Jg. 25, Heft 92, 4/2007).