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Ort: HSZ 201
Zeit: Freitag - 4. DS
Beginn: 12. 10. 2007
Teilbereiche: Spezielle Soziologie, Theorie, Theoriegeschichte
Schwerpunkte: Kultursoziologie, kulturwissenschaftlich (Diplom),
Kultursoziologie (Magister)
Leistungsanforderungen: Referat, Hausarbeit, Teilnahme
für Diplom, Bachelor, Magister Hauptfach, Magister Nebenfach, Lehrämter,
Beifach
Module:
HUM EM Soz1 "Kultur und Gesellschaft",
HUM EM Soz2 "Soziologische Theorie und Theoriegeschichte",
Soz-GM 03 "Soziologische Theorie"
READER: Es wird eine Textsammlung zu
Beginn des Seminars zur Verfügung gestellt.
Soziologie als praktische Wissenschaft ist das
akademische Studium des Umgangs mit Menschen (A. v. Knigge)
differenziert nach Kontexten, Konstellationen und Klassifikationen. Durch
die Soziologie hindurch läuft eine lange, mitunter durch starke normative
und kritische Ansprüche verdeckte Denktradition der Weltklugheit
bzw. der Verhaltenskunst. Sie ist verbunden mit Machiavelli, Castiglione,
Gracian, A. v. Knigge, mit Lehren des passenden sprachlichen (Rhetorik)
und erfolgreichen Benehmens, und reicht bis in ihre historisch-soziologische
Rekonstruktion als "Prozess der Zivilisation" (Norbert Elias).
Auch die Ratgeber der Subversion (Foucault) oder der Imagepflege
(Goffman) einerseits, die Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien
mit ihren je codierten kommunikativen Anschlusswahrscheinlichkeiten (Luhmann)
andererseits, lassen sich als Verhaltenslehre in der Soziologie lesen.
Die Stichworte für diese Denktradition der Verhaltenskunst sind Benehmen
(behavior), Courtoisie, Civility, Politeness, Strategie, Taktik, Takt,
Diplomatie, Manipulation, psychologische Kriegsführung, Propaganda,
Subversion, Kunst der Intrigen, Rhetorik und Eristik, Techniken der Macht
und der Verführung, interpersonelle Intelligenz, soziale Kompetenz.
Die Lehrveranstaltung will dieses zerstreute Wissen (das teilweise in
andere Disziplinen wie Psychologie, Management-Wissen, Public Relations,
Psychological Operations, Kulturwissenschaft (Dekonstruktion), Sprachwissenschaft
(Rhetorik) abgewandert ist) in der Soziologie sammeln und damit diese
Denktradition der Soziologie als Verhaltenslehre erneuern.
Balthasar Gracián, Handorakel und Kunst
der Weltklugheit, übers. von Arthur Schopenhauer, München: Beck
2005
Baldassare Castiglione, Der Hofmann: Lebensart
in der Renaissance, Berlin: Wagenbach 1999
Niccolò Machiavelli, Der Fürst,
Frankfurt am Main/Leipzig: Insel 2001
Adolph Frhr. von Knigge, Über den Umgang
mit Menschen, hrsg. von Gert Ueding. Mit Ill. von Chodowiecki, Frankfurt
a.M./Leipzig: Insel 2001
Norbert Elias, Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische
und psychogenetische Untersuchungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1998.
Gert Ueding/ Bernd Steinbrink, Grundriß
der Rhetorik: Geschichte, Technik, Methode Stuttgart/Weimar: Metzler 1994
Rainer Wälde (Hrsg.), Der große
Knigge: mit Takt und Stil zum Ziel, Bonn: Verlag für die dt. Wirtschaft
20XX
Thomas Baumer, Handbuch interkulturelle Kompetenz,
2 Bde. / Zürich: Füssli 2002/2004
Robert Greene, Power: die 48 Gesetze der Macht,
München: dtv 2001
autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe, Luther Blissett,
Sonja Brünzels: Handbuch der Kommunikationsguerilla - wie helfe ich
mir selbst, Hamburg und Berlin 1997
Helmuth Plessner, Die Logik der Diplomatie. Die Hygiene des Taktes, in:
Ders., Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus,
mit einem Nachwort v. J. Fischer, Frankfurt a.M. 2002: Suhrkamp, S. 95-112.
Erving Goffman, Wir alle spielen Theater: die
Selbstdarstellung im Alltag, München/Zürich: Piper 2003
Niklas Luhmann, Einführende Bemerkungen
zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien, in:
Ders., Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der
Gesellschaft, Opladen 1975, S. 170-192
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